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Nachhaltig Investieren: aber wie genau?

  -   27. September 2015
Quelle: nattanan23/pixabay.com

Seit über zehn Jahren erfährt der Bereich der nachhaltigen Anlagen ein erhöhtes Interesse von privaten und institutionellen Investoren weltweit. Den Begriff der sozial verantwortlichen Anlagen (SRI – socially responsible investments) gibt es jedoch bereits seit den 1960er Jahren. Doch was verstehen wir eigentlich unter nachhaltigen Anlagen und welche Ansätze gibt es in der Praxis?

Warum sollten wir nachhaltig investieren?

So facettenreich wie das individuelle Risiko-Ertrags-Profil eines Investors, so facettenreich können auch die Beweggründe für Investitionen in nachhaltige Anlagen sein.

Grundsätzlich ist als Folge der Globalisierung auch das Bewusstsein der Investoren gestiegen, den vielen globalen Herausforderungen mit zielgerichteten und nachhaltigen Investitionen entgegenzuwirken beziehungsweise eine privatwirtschaftliche Problemlösung zu erzielen oder zu dieser beizutragen.

Auch sehen sich viele Investoren – wie auch Konsumenten – vermehrt vor der Frage stehend, ob sie als Teil der Gesellschaft – durch Ihr Verhalten zu mehr ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit beitragen können (im Rahmen der Investoren- und Konsumentensouveränität).

Hilfreich ist hierbei sicherlich auch die ideologische Abkehr von der angelsächsisch-kapital-liberal-geprägten Shareholder-Kultur hin zu einer umsichtigen Stakeholder-Kultur. Diese umfasst nämlich nicht nur Kapitalgeber (die Shareholder), sondern auch verbundene Anspruchsgruppen wie Verbraucher, Arbeitnehmer, Aufsichtsbehörden beziehungsweise Regulatoren sowie die Zivilgesellschaft in jedem unternehmensspezifischen Mikrokosmos. Dies folgt häufig internen aber auch gesellschaftspolitischen Prinzipien der Corporate Social Responsibility (CSR). CSR versteht sich dabei als umfassendes zukunftsorientiertes Managementprinzip und ergänzt in einem globalen Kontext die gesellschafts- und umweltpolitischen Ansätze caritativer und philanthropischer Arbeit.

Aber nicht nur im Rahmen der Stakeholder-Problematik, sondern auch aus Unternehmenssicht hängt der eigene Markterfolg mehr und mehr auch von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen ab. Insofern ist Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung und Investorenlandschaft ein Themenkreis mit größter regionaler wie globaler Bedeutung geworden.

Wieso sollten Investoren nachhaltig investieren und finanzieren?

Beweggründe von Investoren können dabei mannigfaltig sein. Nachhaltige Anlagen ermöglichen es Investoren ihr Wertpapierportfolio ihren ganz persönlichen – auch nachhaltigen – Werten anzupassen. Dabei werden bewusst Anlagen in ethisch einwandfreien und nachhaltigen Unternehmen eingegangen beziehungsweise Unternehmen mit zweifelhaften oder ethisch bedenklichen Aktivitäten explizit gemieden. Insbesondere Stiftungen, religiöse oder gemeinnützige Einrichtungen wählen dieses Kriterium bei ihrer Anlagestrategie. Hintergrund dabei ist eine bewusste Wertorientierung oder ein Matching der eigenen Leitbilder mit denen eines Investments.

Weitere Beweggründe können aber auch sein, nicht nur einem Bonus/Malus-System zu folgen, sondern mit einer Direktinvestition die Gesellschaft, die Umwelt oder einen bestimmten Zweck direkt positiv zu beeinflussen. Hier bezwecken Anleger also keine Vermeidung, sondern versuchen eine direkte Kausal- respektive Wirkungskette anzustoßen und somit mit ihrer Investition Gutes zu tun.

Unter Prämissen der klassischen Portfolio-Theorie spielen aber sicherlich auch investorenspezifische Risiko-Rendite-Profile sowie die Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien im Rahmen der Portfolio-Diversifikation hinein. Insofern verstehen sich nachhaltige Anlagen auch als intelligente Anlagen, die einerseits der Risikominimierung dienen und zudem einen nachhaltigen Wert schaffen sollen.

Welche Investitionsansätze können dabei verfolgt werden?

Vereinfachend spricht man von drei Wegen oder Ansätzen nachhaltige Investments zu verfolgen. Am Einfachsten und sehr beliebt ist sicherlich das Exklusionsprinzip zu nennen. Hierbei schließen Investoren bewusst bestimmte Unternehmen und deren Tätigkeiten aus. Entsprechend individueller Negativkriterien sollen so beispielsweise Industrien oder kontroverse Tätigkeiten in Verbindung mit Alkoholika, Waffen, Tabak, oder auch Glückspiele oder Erotik ausgeschlossen werden. Im Rahmen regelmäßiger Screenings analysieren Anleger dabei ein Unternehmen und deren Modus Operandi unter den Prämissen der Wesentlichkeit sowie mit Fokus auf den jeweiligen Anteil beziehungsweise Teil der Wertschöpfungskette und damit verbundener kontroverser Tätigkeiten. Je stärker beispielsweise der Umsatz oder auch der Anteil eines Unternehmens und seiner Wertschöpfung an kontroversen Tätigkeiten, desto eher wird ein Unternehmen als Anlagealternative ausgeschlossen. Die Grenze der Wesentlichkeit setzt dabei aber jeder Anleger individuell selbst fest.

Der zweite mögliche Anlageansatz entspricht dem Integrationsansatz, wobei Anlageentscheidungen auf ökologischen, sozialen und unternehmensführungsbasierenden Kriterien stattfinden. Im Englischen wird dies meist unter dem Sammelbegriff ESG (Environmental, Social & Governnance) subsummiert. Den Charme dieses Anlageansatzes macht dabei die Kombination von klassischen finanzwirtschaftlichen Kriterien mit ESG-Prinzipien aus, was diesen Ansatz insgesamt ganzheitlicher und pro-aktiver erscheinen lässt. In seiner Komplexität erheblich vielschichtiger und auch mit erheblich höheren Datenmengen-Anforderungen stellt der Integrationsansatz den aktuellen Status quo im nachhaltigen Investieren dar.

Last not least als dritter Anlageansatz lässt sich das Impact Investing abgrenzen vom Integrations- sowie Exklusionsansatz. Hierbei werden bewusst Investitionen eingegangen, die einen finanziellen Ertrag (Rendite) und gleichzeitig einen messbaren, positiven Einfluss (Impact) für Mensch, Gesellschaft und Umwelt zu erreichen. Dabei sind grundsätzlich alle Assetklassen, sowie eine Reihe von Strukturen (fremd- oder eigenkapitalbasiert) möglich. Je nach Definition überschneiden sich Impact Investing und Mikrofinanzierungen oder ergänzen einander.

Ausblick

Im Rahmen der United Nations – Principles for Responsible Investment (PRI) schließen sich seit Jahren mehr und mehr lokale und internationale Investorengruppen zusammen und verpflichten sich freiwillig der Einhaltung und Anlage nach bestimmten nachhaltigen Gesichtspunkten im Rahmen des ESG-Prinzips. Damit bilden die freiwilligen PRI-Prinzipien eine globale Initiative, der bisher schon fast 1400 Investoren- beziehungsweise Anlegergruppen beigetreten sind. Auch schätzt die UN, dass bereits über US$59 Billionen nach den ESG Prinzipien weltweit angelegt und verwaltet werden. Dies zeigt abermals, dass nachhaltige Investments nicht nur eine Modeerscheinung der internationalen Investment-Community sind, sondern sich als eigenständiger Investmentansatz fest etabliert haben. Geld und Verantwortung stellen insofern kein Widerspruch, sondern ein sich teilweise bedingendes Paradigma.

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Dieser Artikel wurde von einem Gastautor verfasst. Die Gastautoren des Mainzer Manager zeichnen sich durch ihre besondere Fachexpertise aus. Sie sind Experten auf ihrem Gebiet und stehen in regelmäßigem Austausch mit anderen Fachexperten. Weitere Details über den Autor erfahren Sie in der Informationsbox unterhalb des Textes.

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