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Fliegen retten in Deppendorf – eine Geschäftsidee

  -   16. Mai 2015
Quelle: Nikiko/pixabay.com

Was könnte einen promovierten Betriebswirt dazu bewegen, einem Insekt einen Urlaub in einem Wellness-Hotel zu spendieren? Sein Sinn fürs Geschäft kann es wohl kaum sein – oder doch?

Dr. H.D. Reckhaus ist der Geschäftsführer des Familienunternehmens Reckhaus & Co. im nordrhein-westfälischen Bielefeld. Die Firma stellt seit über 50 Jahren Insektizide her und vermarktet sie vor allem im deutschsprachigen Raum. Die Produkte tragen Namen wie Dr. Reckhaus Fliegenscheibe, Recozit oder Dr. Reckhaus Motten-Papier. Der Chef trägt Maßanzug, hat an der Hochschule Sankt Gallen promoviert und führt das Unternehmen in der zweiten Generation. Auf Grundlage dieser Informationen verbietet sich eigentlich jeder Gedanke an bahnbrechende Produktinnovationen, irrwitzige Werbekampagnen oder gar Fliegen in Luxushotels.

Der Wert eines Fliegenlebens

Vielleicht ist aber gerade dieses etwas angestaubte Image der Grund dafür, warum die Aktionen des umtriebigen Firmenchefs einen derartigen Widerhall in den Medien finden. Aber der Reihe nach: 2012 startet Dr. Reckhaus mit zwei Schweizer Künstlern die Aktion „Fliegen retten in Deppendorf“. Ein ganzes Dorf schickt sich daraufhin an, Fliegen zu retten, eine davon, Erika, wird sogar in den Urlaub geflogen. (http://www.reckhaus.com/unternehmen/fliegen-retten.html). Der Gedanke dahinter: Als Hersteller von Insektiziden ist Reckhaus nicht nur seit einem halben Jahrhundert wirtschaftlich erfolgreich und befreit Haushalte von allerlei ungeliebtem Getier – das Unternehmen vernichtet auch in bedenklichem Ausmaß Biodiversität und misst dem Leben einer Fliege so gut wie keinen Wert bei. Als Bestäuber von Pflanzen aller Art und wichtiger Bestandteil der Nahrungskette ist sie aber extrem wertvoll (Link).

Eigentlich würde man erwarten, dass ein Hersteller von Insektenbekämpfungsmitteln diese schwerwiegende Nebenwirkung seiner Produkte totschweigt. Dr. Reckhaus aber machte aus der Not eine Tugend, indem er mit seiner Fliegen-Rettungsaktion auf die Problematik aufmerksam machte und im gleichen Atemzug eine Lösung anbot. Er setzte sich mit einem Biologen zusammen und überlegte, wie er der Natur zurückgeben kann, was sein Unternehmen ihr nimmt. Bald war die Idee geboren, Flachdachbegrünungen im Siedlungs- und Industrieraum zu schaffen, auf denen sich Insekten ansiedeln können, ohne dass sie den Menschen stören (Link).

Insect Respect

Seitdem ist Reckhaus nicht nur Spezialist im Vernichten von Insekten, sondern auch im Schaffen von Lebensraum für Mücken, Fliegen und Co. Allein damit wollte man sich in Bielefeld aber nicht zufrieden geben und ersann das Label „Insect Respect“. Es wandelt die neue Stärke des Unternehmens in eine verkaufsfähige Dienstleistung um. Andere Insektizidhersteller können Reckhaus Expertise nun einkaufen und selber dafür sorgen, dass sie die negativen Auswirkungen ihrer Produkte kompensieren.

An diesem Beispiel zeigt sich, dass Angriff die beste Verteidigung sein kann und Unternehmen sich immer wieder neu erfinden müssen, um auf geänderte Bedingungen in Umwelt und Gesellschaft reagieren zu können. Wer hätte bei Firmengründung 1956 schon daran gedacht, dass sich mit dem Erhalt von Biodiversität Geld verdienen lässt? Fairer Weise muss erwähnt werden, dass „Insect Respect“ momentan vor allem als hausinternes Kompensationsinstrument von Reckhaus und Co. funktioniert. Dr. Reckhaus treibt seine Vision aber konsequent voran und einige bekannte Chemieunternehmen haben schon bei ihm angeklopft.

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Gastautor „Patrick Bottermann“

Dieser Artikel wurde von einem Gastautor verfasst. Nach beruflichen Stationen bei Medienunternehmen, NGOs und im privaten Bildungssektor schloss Patrick Bottermann einen MBA mit dem Fokus Sustainability Management ab. Er ist Mitarbeiter des international renommierten Think Tanks Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production.

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