Sie wissen bereits, was Sie studieren möchten? Dann bewerben Sie sich jetzt!

„Die Generation Y ist hochqualifiziert“ – Interview mit Prof. Dr. Anja Karlshaus

  -   2. Oktober 2015
Quelle: Tumisu/pixabay.com

Prof. Dr. Anja Karlshaus, Professorin für Business Operations und Human Resources Management an der Cologne Business School (CBS), über die Stärken und Schwächen der Generation Y und ihre Anforderungen an Arbeitgeber.

Frau Karlshaus, wer oder was ist überhaupt die Generation Y?

Zuerst einmal sollte man bei der Bezeichnung Generation Y sehr vorsichtig sein. Der Begriff wird meist für die Altersgruppe, deren Mitglieder zwischen 1980 und 1995 geboren sind, verwendet. Allerdings handelt es sich dabei um eine sehr heterogene Gruppe. Daher ist eine Pauschalisierung eher unangebracht, wird aber in den Medien häufig vorgenommen. Nichtsdestotrotz gibt es einige Charakteristika, die sich beobachten lassen.

Und was sind das für Charakteristika?

Die GenY möchte nicht mehr Karriere um jeden Preis machen, sondern legt großen Wert auf Work-Life-Balance (WLB) und bewertet die Rolle von Freunden und Familie höher. Eine Erklärung könnte sein, dass die Elterngeneration meist ehrgeizige Karriereziele verfolgte und die GenY unter den Nachteilen, wie z.B. Zeitmangel für die Familie, Stress, erhöhte Scheidungsraten und Burn-Out, leiden musste. Außerdem lässt sich beobachten, dass die GenYler mehrheitlich sehr gut ausgebildet und hochqualifiziert sind, da sie in einer sehr komplexen, globalen und digitalen Welt aufwuchsen und durch ihre Eltern stark gefördert worden sind. Das erklärt, warum die GenY bevorzugt nach vielseitigen beruflichen Herausforderungen sucht. Ein weiteres wichtiges Charakteristikum ist schließlich die stärkere Technikaffinität dieser Generation.

Oft wird die GenY auch als Generation Net bezeichnet. Was hat es damit auf sich?

Diese Bezeichnung spielt auf den großen Einfluss des Internets auf diese Generation an. Die GenY ist im digitalen Zeitalter mit Internet, Handies und Social Media aufgewachsen. Diese Technologien sind für sie selbstverständlich und das führt dazu, dass sie online sehr gut vernetzt sind und größtenteils über diese Technologien kommunizieren. Online-Medien erleichtern auch die Kommunikation mit weitentfernten sowie internationalen Freunden und Bekannten maßgeblich, was wiederum die Weltoffenheit dieser Generation fördert.

Was sind denn Ihrer Meinung nach die Stärken der GenY?

Die Generation Y hat viele Stärken. Da sind zum einen ihr hoher Bildungsstandard, ihre Anpassungs- und Lernfähigkeit sowie ihr Erfolgswille zu nennen. Auch verfügen sie über ein hohes Innovationspotenzial, Technikaffinität und Kreativität. Darüber hinaus ist ihre Weltoffenheit und eine, dank moderner Medien, sehr gute Vernetzung heutzutage sicherlich als weitere Stärken zu werten. Zum anderen sind positive Merkmale auch in der Einstellung dieser Generation begründet: Sie ist optimistisch, selbstbewusst und sucht nach Herausforderungen. Zudem pflegen sie auch einen gesünderen Lebensstil. Die GenY legt großen Wert auf Ausgewogenheit zwischen Beruf und Privatleben.

Was sind hingegen Schwierigkeiten, mit denen die GenY zu kämpfen hat?

Die Gen Y hat trotz und aufgrund der vielen Lebensoptionen oftmals Schwierigkeiten bei der Selbstfindung, da sie sich sowohl beruflich als auch privat immer wieder neu individuell definieren. Auch führt die gute Ausbildung dieser Generation dazu, dass die Einzelnen unter starkem Leistungsdruck stehen und ständig versuchen müssen, sich voneinander abzuheben. Das kann in frühen Jahren zu Stress, Burn-Out oder psychischer Labilität führen, denn auch wenn sie mehr Wert auf Work-Life-Balance legen, bleibt doch der Konkurrenzdruck bestehen. Schließlich ist zu erwähnen, dass die Virtualisierung des sozialen Umfeldes durch das Internet dazu führt, dass die Gen Y zwar meist einen riesigen Bekanntenkreis hat, aber die Kontakte größtenteils recht oberflächlich sind.

Was würden Sie dementsprechend als die Schwächen der Gen Y bezeichnen?

Angeprangert werden oft eine gewisse psychische Labilität, eine hohe Anspruchshaltung und teilweise eine zu geringe eigenständige Denk- und Verstehensleistung, was sich unter anderem durch das heutige verkürzte und teilweise verschulte Bildungssystem erklären lässt. Damit ist auch eine gewisse Oberflächlichkeit verbunden, die sich z. B. durch mehr Flüchtigkeitsfehler zeigt. Wissen wird erst bei Bedarf aus dem Internet abgerufen und angeeignet. Zudem wird der Gen Y nachgesagt weniger Durchhaltevermögen, Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit zu haben. Letztlich wird die fehlende Bereitschaft genannt, Verantwortung zu übernehmen. Die Gen Y tendiert durch starke Feedbackeinforderung und dem Absichern von Entscheidungen zu einer gewissen Unsicherheit.

Was unterscheidet somit die Gen Y von der Elterngeneration, der Generation X?

Da wäre zum eine deutlich frühere Selbstreflektion und Sinnsuche im Sinne von Fragen wie „Wer bin ich?“ oder „Was macht mich glücklich?“ – Fragen, die bei der GenX häufig erst in der Midlife Crisis gestellt wurden. Damit einher geht auch ein anderer Anspruch an die Arbeit selbst.

Und dieser wäre?

Die GenY legt im Beruf vor allem Wert auf die Verwirklichung eigener Wünsche und Vorstellungen. Auch ihr Führungsanspruch ist ein komplett anderer. Sie lehnen autoritäre Führungsstile ab, wollen Mitbestimmung sowie schnelles und zeitnahes Feedback. Auch ist die Arbeitsweise eine andere. Die Gen Y ist flexibler, ständig vernetzt und gewohnt ständig mobil erreichbar zu sein. Sie wollen schnelle Ergebnisse, denken globaler und schätzen Teamwork.

Und wie sieht der optimale Arbeitgeber für die Gen Y aus?

Die GenY erwartet Arbeitgeber mit einer hohen Sozialkompetenz, das heißt ein gutes freundschaftliches Arbeitsklima mit Wertschätzung und Vertrauen, kollegialem Umgang und eine gute Reputation des Unternehmens. Darüber hinaus müssen Unternehmen gute WLB-Konzepte bieten. Die Arbeitsinhalte sollten herausfordernd und sinnstiftend sein und sollten Spaß machen. Die GenY fordert attraktive Aufgaben mit viel persönlichem Gestaltungsspielraum. Auch gute Entwicklungsmöglichkeiten sind ihnen wichtig. Lieber werden die GenYler häufiger in kleinen Schritten befördert als zu lange still zu stehen.

Quelle: Anja Karlshau

Wer hat's geschrieben?

Gastautor "Prof. Dr. Anja Karlshaus"

Dieser Artikel wurde von einem Gastautor verfasst. Prof. Dr. Anja Karlshaus leitet den Fachbereich Personal an der Cologne Business School. Neben Lehre und Forschung ist sie seit fast 15 Jahren in diversen Großkonzernen im strategischen Personalbereich beschäftigt. Sie ist Mitglied in verschiedenen Arbeitskreisen u. a. der IHK und des Familienministeriums NRW und als Sprecherin sowie Trainerin zu den Themenfeldern Personalentwicklung, (Teilzeit-)Führung, Nachhaltigkeit, Gender und Diversity tätig.

Kommentare

Akkreditierungen

Mitgliedschaften

Partnerunternehmen

Sitemap

European Mangement School © 2018 | Impressum | Datenschutz
Haben Sie noch Fragen?
X

Wir helfen Ihnen gerne weiter! Kontaktieren Sie uns einfach über eines der untenstehenden Online-Formulare und wir werden Ihre Anfrage umgehend bearbeiten!

Oder kontaktieren Sie uns alternativ über folgende Kontaktadressen:

Tel.: +49 (0) 6131 880 55 31

Jetzt beraten lassen!