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Deutschlands Unternehmer des Jahres 2018 (E&Y) im Interview mit einem EMS-Studenten

  -   7. August 2019

Wer träumt nicht davon, ein eigenes Unternehmen zu gründen und innerhalb von 5 Jahren die 70 Mio. Euro-Umsatzmarke zu knacken? Während das für viele Menschen nur eine wilde Fantasie bleibt, ist es bei Dr. Dominik Benner und seinem Unternehmen Schuhe24 Realität geworden. Wie auch Du Deine Geschäftsideen umsetzen kannst, erfährst Du in diesem Interview mit Dr. Dominik Benner.

2012 übernahm Dr. Benner nach dem plötzlichen Tod seines Vaters das Schuhgeschäft seiner Eltern in der Rhein-Main-Region. Zwei Jahre später gründete er Schuhe24, um auch über das Internet Schuhe zu verkaufen. Schnell kamen daraufhin die ersten Händler auf den Unternehmer zu und fragten, ob er nicht auch für sie die Online-Anbindung übernehmen könne.

Heute agiert Schuhe24 als Online-Verkaufsplattform für über 1.000 Fachgeschäfte in Deutschland. Dabei ist das primäre Ziel, Fachgeschäfte ohne Online-Kompetenz am eCommerce-Boom zu beteiligen.

Unser EMS-Student Joshua Konschak hatte die Möglichkeit, diesen Sommer als Praktikant einen Einblick in das Startup Schuhe24 zu bekommen. Damit auch andere Studierende an der Erfahrung teilhaben, findest Du hier sein exklusives Interview mit Dr. Dominik Benner, der von Ernst & Young (E&Y) zum Unternehmer des Jahres 2018 gekürt wurde:

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Während des Studiums online verkaufen

Joshua: Hallo Dominik, vielen Dank für die Möglichkeit, dieses Interview mit dir führen zu können. Erzähl doch bitte einmal über deine Verbindung zum Online-Handel und wie du auf die Idee von Schuhe24 gekommen bist.

Dominik: Bereits während meines Studiums habe ich angefangen nebenbei online Schuhe zu verkaufen. Als ich dann 2012 das Schuhgeschäft meiner Eltern übernommen habe, kam die Frage auf, was wir online mit unserem Schuhbestand machen können. Also haben wir angefangen über einen eigenen Shop und andere Portale zu verkaufen. Als daraufhin immer mehr Händler nachfragten, ob wir auch für sie den Onlineverkauf übernehmen können, kam Schuhe24 richtig ins Laufen. Online ist es weniger wichtig, was für ein Produkt man verkauft, sondern wie man es optimal vermarktet und die Kunden nachhaltig erreicht. Einen solchen Marktplatz hätte man für viele Produkte aufbauen können.

Joshua: Was ist vorteilhaft an dem Geschäftsmodell eines Marktplatzes?

Dominik: Ein gutes Geschäftsmodell ist für mich skalierbar, bestenfalls nicht so kapitalintensiv und enthält nur geringe Risiken. Das Risiko lässt sich, wie bei Schuhe24 minimieren, indem man anstatt eigenem Lagerbestand auch die bestehenden Bestände anderer Händler nutzt und verkauft.

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Digitalisierung des Schuhmarktes

Joshua: Wie groß war der Onlinemarkt für Schuhe, als ihr 2014 gestartet seid?

Dominik: Damals wurden 10% der Schuhverkäufe online umgesetzt. Es gab zwar schon andere Marktplätze, aber das war egal. Der Markt ist so groß, dass noch viel Potenzial für weitere Anbieter da war. Heute werden 25% der Schuhe online verkauft und ich denke, im Schuhmarkt tritt langsam eine Sättigung ein. Die Wachstumsrate der Onlineverkäufe von Schuhen ist von anfangs ca. 30% auf aktuell 8% gesunken. Andere Branchen, wie Baumärkte und Apotheken, stehen aber noch am Anfang der Digitalisierung.

Joshua: Wie lief euer erstes Jahr im Geschäft ab und welche Herausforderungen hattet ihr?

Dominik: Anfangs lag die größte Herausforderung in der technischen Zusammenarbeit mit den Fachhändlern. Darum fingen wir an mit der Programmierung einer Schnittstelle zu unserem Warenwirtschaftssystem. Ein weiteres Problem war, dass viele Händler dachten, das Thema „Online“ würde nach ein paar Jahren wieder verschwinden. Mittlerweile ist es offensichtlich, dass eCommerce ein Teil der Zukunft ist, weshalb auch die Händler mehr und mehr gewillt sind, mit einzusteigen. Eine weitere Herausforderung war es, dass wir keinen Zugriff auf eCommerce-Experten hatten. Somit mussten wir uns anfangs viel selbst beibringen.

Joshua: Wie seid ihr finanziell an die Unternehmung herangegangen?

Dominik: Einen richtigen Businessplan hatten wir nicht. Stattdessen haben wir uns überlegt, wie viele Verkäufe wir brauchen, um Gewinn zu machen und sind seit dem ersten Jahr profitabel. Allgemein arbeite ich bei Schuhe24 bewusst ohne Budgets. Klar planen wir unsere Kosten und haben auch eine Gewinn- und Verlustrechnung. Einzelne Budgets zu vergeben finde ich im eCommerce aber nicht relevant. Eher geht es um Kosten/Umsatz-Relationen, also die Frage: was kostet ein Kaufkunde und bis wann ist er rentabel?

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Amazon verdrängt lokale Fachhändler

Joshua: Was ist euer Alleinstellungsmerkmal und wie konntet ihr euch von der Konkurrenz abheben?

Dominik: Unsere Kunden unterstützen mit jedem Kauf einen lokalen Fachhändler. Das bedeutet, jeder Schuh wird vom Händler selbst verpackt und verschickt. Mit dem Geld, was dadurch verdient wird, kann er seine Mitarbeiter bezahlen und letztendlich den Erhalt seines Geschäfts in der Innenstadt sichern. Fachhändler stehen nämlich vor dem Problem, dass stationäre Umsätze stagnieren oder sogar zurückgehen. Um zu wachsen und nicht von Amazon verdrängt zu werden, muss man also auch online verkaufen. Von der Konkurrenz setzen wir uns vor allem durch unser Sortiment ab. Unsere Produkte bedienen eine klare Zielgruppe, nämlich Frauen im Alter von 40-70 Jahren.

Joshua: Bei einem so schnellen Wachstum, wie Schuhe24 es erlebt hat, ist es sicherlich schwierig, mit den Prozessen mitzukommen. Was sind wichtige Wachstumsfaktoren und wie habt ihr dafür gesorgt, dass die Strukturen im Unternehmen mitwachsen?

Dominik: Unsere Handlungsmaxime war seit Beginn, schnell zu agieren und nicht lange zu überlegen. Wir haben vieles mit dem Einsatz weniger Ressourcen ausprobiert. Daher liefen die Prozesse zu Beginn nicht optimal ab. Wenn etwas gut funktioniert hat, haben wir schnell mehr Energie reingesteckt und den Prozess optimiert. Das ist, denke ich, die typische Wachstumskurve eines Start-Ups. Man probiert viele Sachen aus und verbessert im Nachhinein die Prozesse. Generell gibt es in unserem Unternehmen ständig Veränderungen. Vor einem Jahr wurden beispielsweise noch die Rechnungen manuell bei Excel erstellt. Heute nutzen wir dafür Softwarelösungen und haben unseren Workflow extrem vereinfacht.

Joshua: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die du bisher als Unternehmer mitnehmen konntest?

Dominik: Da hab‘ ich besonders drei Learnings:

  1. Nicht lange nachdenken, sondern umsetzen. Viele Menschen haben gute Ideen, aber wenige davon werden auch gut umgesetzt.
  2. Man braucht keinen detaillierten Businessplan, um zu gründen. Niemand erwartet von einem jungen Gründer, dass er das EBIT drei Jahre im Voraus perfekt ableiten kann. Das ist absurd und nicht realitätsnah. Stattdessen sollte man grob skizzieren, was ein Verkauf kostet und wieviel man verkaufen muss, um profitabel zu werden.
  3. Ein gutes Team ist wichtig für den Erfolg. Was ich heute definitiv anders machen würde, ist es, mehr und auch teurere Leute einzustellen. Durch ein erfahrenes Team kann man sich viele Fehler sparen und schneller vorankommen.

Joshua: Wenn du schon als Kind gewusst hättest, dass du Unternehmer werden möchtest, würdest du trotzdem wieder deinen Doktor machen? Welchen Wert hat universitäre Bildung für einen Unternehmer?

Dominik: Ich habe vor vielen Jahren einen Doktor gemacht, da ich vorhatte in einem Konzern zu arbeiten und z.B. als Geschäftsführer angestellt zu werden. Daher war es mir wichtig, eine gute Ausbildung und ein umfassendes Wissen in dem Bereich zu haben. Heute bin ich Unternehmer und dafür braucht man sicherlich keinen Doktortitel. Da muss jeder selbst entscheiden, was für einen das Richtige ist. Im Startup-Umfeld wird aber nicht viel Wert auf solche Titel gelegt.

Vermögen entsteht durch Fokussierung

Joshua: Neben dem Onlinehandel bist du ja noch in weiteren Bereichen tätig – ihr habt über 1.000 Wohneinheiten. Ist das zum Zwecke der Diversifikation?

Dominik: Primär beschäftige ich mich mit dem Onlinehandel von Schuhen und Mode. Durch meine Eltern und meine frühere Tätigkeit als Immobilienmanager haben wir uns nebenbei einen Immobilienbestand in der Rhein-Main-Region aufgebaut. Diesen möchte ich für meine Kinder weiter ausbauen. Jedoch bin ich kein Freund der Diversifikation. Wenn man sich mal die Liste der reichsten Deutschen anschaut, ergibt sich mir eine klare Aussage: Keiner baut ein Vermögen durch Diversifikation auf, sondern durch Fokussierung. Unternehmerischer Erfolg entsteht, indem man sich 1-2 Bereiche rauspickt und dort mit aller Energie etwas aufbaut. Ich mache das, wovon ich Ahnung habe, und lasse die anderen Themen weg.

Joshua: Welche Strategie verfolgst du in den nächsten Jahren mit Schuhe24?

Dominik: Mit Schuhe24 haben wir ein Portal aufgebaut, wodurch Schuhhändler ihre Bestände online verkaufen können. Dieses Konzept wollen wir jetzt auf andere Branchen übertragen. Vor einem Jahr haben wir mit Sporthändlern angefangen und eine Anbindung für Intersport- und Sport2000-Händler geschaffen. Seit einem halben Jahr haben auch Modehändler die Möglichkeit, über unsere Plattform Outfits24 zu verkaufen. Unser Ziel ist es also, weitere Branchen zu digitalisieren.

Joshua: Das klingt sehr spannend. Suchst du für die kommenden Jahre Praktikanten/innen und Werksstudierende?

Dominik: Ja, wir wachsen stetig und suchen aktive und interessierte Studierende und Praktikanten/innen. Bei uns erhält man einen Einblick in viele verschiedene Bereiche des eCommerce. Man hat außerdem die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen. Wir bieten Mitarbeitern/innen spannende Aufgaben und gute Möglichkeiten, sich selbst zu verbessern und zu lernen. Durch unseren Standort in der Wiesbadener Innenstadt sind wir außerdem sehr gut erreichbar.

Joshua: Welche Fähigkeiten sind an einem Bewerber/einer Bewerberin interessant?

Dominik: Wir sind ein technisches Unternehmen, daher ist die wichtigste Voraussetzung, dass man fit im Umgang mit dem PC ist. Das Alter ist dabei gar nicht so entscheidend, aber wenn eine Person Schwierigkeiten mit neuen Medien hat, ist das für den Onlinebereich nicht passend. Von Vorteil ist es, wenn die Person bereits berufliche Erfahrungen im eCommerce gesammelt hat. Wir freuen uns über Bewerbungen von engagierten und interessierten Studierenden.

Joshua: Angenommen, ich wäre jetzt ein Bewerber, wie würde ich dich am besten erreichen?

Dominik: Über meine Email-Adresse info@schuhe24.de bin ich gut erreichbar. Auf unserer Website Schuhe24.de findet man mehr Informationen über unser Team und wie die Arbeit bei uns aussieht. Bei Xing kann man mich auch erreichen.

Joshua: Bei LinkedIn nicht?

Dominik: Nein 😀

Joshua: Letzte Frage: Hast du einen Rat an junge, weltoffene und ambitionierte Studierenden?

Dominik:

  1. Wenn man studiert, dann bitte nicht in der Heimatstadt. Denn zuhause im Hotel Mama zu wohnen und im alten Freundeskreis zu bleiben bringt einen kaum weiter. In einer neuen Stadt muss man erstmal mit der neuen Wohnsituation klarkommen und sich ein Netzwerk aufbauen.   Das fördert persönliches Wachstum.
  2. Mach ein Auslandssemester! Die menschliche Erfahrung im Ausland ist ganz wichtig. Es bildet den Charakter und bringt mehr, als im Studium etwas besser oder schneller zu sein.
  3. Im Studium etwas gründen. Während dem Studium hat man geringe Risiken und ein tolles Spielfeld, um es einfach mal auszuprobieren. Dabei kann man viel darüber lernen, wie die            Prozesse in einem Unternehmen ablaufen. Zum Beispiel, wie man eine Steuererklärung schreibt oder ein-zwei Mitarbeiter einstellt.

   In diesem Sinne, vielen Dank für das Interview.

Joshua: Ich habe zu danken. Weiterhin viel Erfolg!

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Wer hat's geschrieben?

Joshua Konschak

Joshua Konschak studiert aktuell im fünften Semester im Bachelorstudiengang General Management mit den Spezialisierungen Finanzmanagement und Wirtschaftspsychologie.

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