Big in Japan

  -   20. Mai 2019

Eine andere Welt

Stell Dir ein Land vor in welchem du mit einer Gabel nicht sehr weit kommst, in dem selbst gruseligen Wesen mit rötlichen Wangen und großen Augen eine gewisse Niedlichkeit (kawaii) verpasst werden und in welchem Du Dir sogar Freunde und Familie mieten kannst, solltest Du Dich mal wieder einsam fühlen.

Wo befinden wir uns jetzt? Richtig – in Japan.

Während bei einigen jetzt die ersten Klischees im Kopf abgespielt werden, hat unsere Studentin Steffi sich bereits ein Bild über dieses Land, mit einer doch sehr außergewöhnlichen Kultur, machen können. In unserem Gespräch gesteht sie dann aber, dass sie ebenfalls bereits ein bestimmtes Bild im Kopf hatte, bevor sie überhaupt den ersten Schritt in ihrem Gastland getan hatte.

Sie traf damals eine mutige Wahl für ihr Auslandssemester, obwohl sie von einigen Bekannten bereits ausführlich darüber informiert worden war, dass es äußerst schwierig wäre dort Kontakte zu knüpfen und Freunde zu finden. Eine Herausforderung, welche dem ein oder anderen wahrscheinlich zu risikoreich gewesen wäre.

Auf ihre Erlebnisse rückblickend berichtet Steffi mir allerdings, dass dem in ihrem Falle keineswegs so gewesen wäre. Im Gegenteil, die Japaner welche sie kennengelernt, die Freunde, die sie gefunden hat und die tiefen Einblicke in das alltägliche Leben, welche sie bekommen durfte, gehörten vielmehr zum persönlichen Highlight ihrer Zeit in Tokio. Das Leben zwischen tief verwurzelter Tradition und aufstrebender Modernität, gepaart mit einer (für Deutsche) gewissen Skurrilität, erschwert es ihr auch im Nachhinein den Gesamteindruck ihres Aufenthaltes in Worte zu fassen.

Höflichkeit und Disziplin – Japanische Klischees?

Als ich sie frage, was einen Japaner ausmacht, verweist sie dementsprechend auf den auffälligsten kulturellen Unterschied. Abgesehen von der Rushhour habe sie die Menschen dort als sehr höflich erlebt. Während zur Rushhour jegliche Regeln vergessen und Manieren hintenangestellt werden, sind die Japaner sonst durch ein starkes Harmoniebedürfnis geprägt und aufgrund dessen wirklich sehr darauf bedacht niemanden in der Öffentlichkeit bloßzustellen. Um dies zu gewährleisten wird des Öfteren von indirekter Kommunikation Gebrauch gemacht und Steffi selbst hält eben diese Tatsache für eine wahrscheinliche Erklärung der Eindrücke, von welchen anderen ihr zuvor berichtet hatten. Die englische Sprache ist teilweise nicht so verbreitet wie in anderen Ländern und macht es den Japaner/innen damit natürlich umso schwieriger mit Ausländern in der gewohnten Weise zu kommunizieren. Wenn Dein Gegenüber dann auch kein Japanisch sprechen kann, endet das Gespräch mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zurückhaltung oder entwickelt sich vielleicht auch gar nicht erst.

Für Steffi war es daher von Vorteil, dass neben ihren Business-Kursen gleich drei Mal pro Woche ein Language and Culture Kurs auf dem Plan stand. Mit viel Input hatte sie so die Möglichkeit, die Grundlage für ihre Japanisch Kenntnisse zu legen, gleichzeitig aber auch die Eigenarten der Kultur, durch z.B. historische Hintergründe, besser zu verstehen. Generell war ihre Wahrnehmung der Rikkyo University ähnlich, wie auch bei anderen Studis, mit welchen ich zuvor gesprochen hatte: Im Vergleich zum Studium an der EMS war der Workload der Studierenden höher bei einem ähnlichen Niveau. Sie hatte eigentlich erwartet, dass sich ihr Semester dort deutlich anstrengender gestalten würde, allerdings gäbe es dieses Image von Japan wohl, da die Aufnahmetests für die Universitäten recht anspruchsvoll sind. Monatelang dauert die Vorbereitung und sobald die Bestätigung eintrifft, sieht das Studentenleben auch schon wieder entspannter aus.

Sich eine neue Sprache, mit grundsätzlich unterschiedlichen Schriftzeichen, anzueignen gehörte damit zu Steffis größter Herausforderung. Dadurch, dass sie aber jede Situation dafür nutzte ein Gespräch zumindest schon mal auf Japanisch zu beginnen, bestätigt sie mir stolz, dass sie durchaus in der Lage wäre sich nicht nur alleine zurechtzufinden, sondern eben auch Smalltalk zu führen. Das wird nur immer dann schwierig, wenn die Japaner/innen in den umgangssprachlichen Slang abrutschen, gängige Begriffe austauschen und sich ihr Leben durch Abkürzungen erleichtern. Aber das kennt man ja auch im Deutschen.

Tradition x Food

Dadurch, dass sie in einem japanischen Studentenwohnheim gewohnt hat und auch zusätzlich noch einem japanischen Tanzclub (Yosakoi) beigetreten ist, konnte sie viel Zeit mit Einheimischen verbringen und ihre Sprachkenntnisse so durchgehend aufbessern. So ist sie nicht nur mit ihrem Club zu Festen in ganz Japan gefahren, sondern hat auch am Wochenende oder unter der Woche beim Karaoke viel mit ihren neuen Freunden unternommen. Sehr besonders war es für sie, Silvester bei einer Freundin und ihrer Familie zu verbringen. In Japan werden Weihnachten und das Neue Jahr nämlich genau umgekehrt zu den Gewohnheiten in Deutschland gefeiert. Und zu einem Familienfest eingeladen zu werden, zählt bei dieser zurückhaltenden asiatischen Kultur, dann doch zu etwas Besonderem. Ein Kimono von der Gastmutter, einige Runden Bingo, viel Sake und auch der traditionelle Geldumschlag (Otoshidama) für die Kinder, haben ihr dann das Gefühl gegeben wie eine dritte Tochter in der Familie aufgenommen worden zu sein.

Wer sich jetzt schon die ganze Zeit fragt, wann es endlich um das Essen in Japan geht: Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. In diesem Zusammenhang muss man natürlich direkt erwähnen, dass Japan nichts für den deutschen Bauern ist. Denn wer hier nur isst was er kennt, der wird vermutlich verhungern. Oder sich ausschließlich von Reis ernähren – denn der ist laut Steffi fast überall dabei. Die Kombinationen reichen von verschiedenen Currys über Sushi bis hin zu ganz ausgefallenen Gerichten wie Nattō. Hierbei handelt es sich um fermentierte Sojabohnen. Als Steffi versucht es mir zu beschreiben eröffnen sich in meinem Kopf die verschiedensten Interpretationen dieses Essens. Die Bohnen, welche eine leicht schleimige Konsistenz vorweisen, werden mit Stäbchen umgerührt und scheinen sich dadurch zu „öffnen“ und weiteren Schleim hervorzubringen, welcher das Ganze dann zu einer Masse verbindet und sich „wie geschmolzener Käse zieht“. Während ich das Gesagte hier niedertippe bin ich mir immer noch nicht sicher, ob mir Nattō schmecken würde oder nicht. Allerdings bin ich mir sicher, dass es eine Überraschung darstellen würde das Ganze zum ersten Mal zu sehen und tatsächlich zu probieren.

Wer also gerne etwas Neues ausprobieren und erleben möchte, der sollte definitiv Japan als nächstes Reise- oder Studienziel anvisieren. Wenn ihr noch mehr über das Land und seine Kultur aus erster Hand erfahren möchtet, dann könnt ihr euch einfach bei Steffi melden.

Wer hat's geschrieben?

Carina Schulte

Carina Schulte studiert International Business mit der Spezialisierung im Marketing-Bereich. Das vergangene Semester hat sie im Ausland in Mexiko verbracht.
Neben ihrem Studium ist sie als Werkstudentin im Marketingteam der EMS angestellt und ist hier insbesondere für Social-Media Tätigkeiten zuständig.

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